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IPPNW-Presseinformation vom 16.10.2011

Türkische Ärztin erhält Preis für medizinische Friedensarbeit

Anwältin gegen Folter und Menschenrechtsverletzungen geehrt

Die mutige Gerichtsmedizinerin, Hochschullehrerin und Präsidentin der Menschenrechtsstiftung Türkei Prof. Dr. Sebnem Korur Financi erhält den Preis für medizinische Friedensarbeit. Der Preis ist im Rahmen des IV. Internationalen IPPNW-Kongresses „Medizin und Gewissen“ am Freitag erstmals vergeben worden und mit 3.000 Euro dotiert. Stifter des International Medical Peace Awards sind die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und das Internationale Netzwerk „Medical Peace Work“.

Sebnem Korur Fincanci aus Istanbul wurde durch ihren Einsatz für eine objektive Rechtsmedizin und die Aufdeckung der Folgen von Folter bekannt. Sie wurde deshalb mehrfach ihres Universitäts-Lehrstuhls für Rechtsmedizin enthoben, kehrte aber immer wieder auf Gerichtsbeschluss zurück. Sie gehört zu den Gründern des Vereins der Rechtsmediziner an und hatte einen wesentlichen Anteil an der Erarbeitung des Standardwerkes der UN zur Aufdeckung von Folter, dem Istanbul Protokoll. Sie gehört zu den Herausgeberinnen eines medizinischen Atlas zur Dokumentation von Folterfolgen, der im Jahr 2010 auch ins Deutsche übersetzt wurde.

Neben ihrer primären ärztlichen Arbeit für Folteropfer hat Sebnem Korur Fincanci nie gescheut, öffentlich und mit der Gefahr persönlicher und beruflicher Konsequenzen auf die Vertuschungen staatlicher und semi-staatlicher Institutionen und Akteure hinzuweisen. 2009/2010 wurde sie gemeinsam mit einem Journalisten dafür angeklagt, die fragwürdige Besetzung der Leitung des Forensischen Instituts der Medizinischen Fakultät Istanbuls durch eine bekanntermaßen fragwürdige ärztliche Kollegin öffentlich anzuprangern. Die Kollegin hatte wiederholt die Verletzungen von Folteropfern vertuscht bzw. nicht gemeldet, wofür ihr die Türkische Ärztekammer mehrfach die ärztliche Zulassung entzogen hatte.

Sebnem Korur Fincanci ist seit 2009 Präsidentin der Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV), die Folteropfer kostenlos behandelt und Menschenrechtsverletzungen dokumentiert. “Ihr Engagement, ihre Professionalität und ihre Beharrlichkeit sind ein Vorbild für all  diejenigen, die daran arbeiten, Gewalt zu verhindern und Frieden zu fördern“, erklärt der Völkerrechtler Prof. Dr. Matthew Happold von der Universität Luxemburg.

Weitere Informationen über den Kongress „Medizin und Gewissen“ finden Sie unter www.medizinundgewissen.de.

Informationen über das Internationale Bildungsprojekt „Medical Peace Work“ entnehmen Sie bitte der Homepage www.medicalpeacework.org

 

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