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Workshop V1

Vertrauen Sie Ihrem Arzt* oder Ihrer App? Perspektive der Patient*innen

Bärbel Matiaske

Die Mehrzahl der Apps – Applikationen, kleine Programme, die unter den Systemen iOS bzw. Android laufen – sind mehr oder weniger nützliche „Spielereien“ für gesunde Bürger. Schritte zählen, den Blutdruck eher ungenau bestimmen ist eher die Nebensache der App, weil das eigentliche Ziel die Gewinnung von Nutzerdaten für die bessere Vermarktung von Werbung ist, das Geschäftsmodell der Internetfirmen.
Hilfreiche Unterstützung für chronisch-erkrankte Patienten mittels App ist eher Mangelware. In nur wenigen Therapiefeldern wie Diabetes oder Adipositas ist der Nutzen für eine konsequente Veränderung des Lebensstils als Sekundär-Prävention nachgewiesen.

Patient*innen können im digitalen Zeitalter eine zeitnahe, sichere Übermittlung von Befunden zur Weiterbehandlung im System, nicht nur nach Krankenhausaufenthalten, erwarten; derzeit Mangelware, da die Kommunikationssysteme nicht miteinander „sprechen“ können. Im Landkreis Forchheim werden daher Notfallmappen in Papierform für chronische Erkrankte ausgegeben, weil nach dem Praxistest der GEMATIK an der Münsteraner Uniklinik die Notfalldaten auf der Versichertenkarte nicht zeitnah weiterentwickelt wurden. In Zeiten von Hebammenmangel hat der Landkreis Forchheim mit Unterstützung von Mitteln des StMGP ein Hebammen-Vermittlungsportal (App) entwickelt, um die Allokation der knappen Ressourcen effizienter zu gestalten.

Patient*innen sollten nach dem Referentenentwurf des BMG nicht von Beginn an Zugriffsrechte auf die digitale Patientenakte haben, etwas dass die informationelle Selbstbestimmung komplett konterkariert.
Alle bisher verfügbaren App-Lösungen für Patientenakten sind bisher Datenschutz- technisch von minderer Qualität. Der Kabinettsentwurf vom 10. Juli 2019 enthält die Verordnungsfähigkeit von Apps, die beim BfArM nach Prüfung von Mindestanforderungen (inkl. positiver Versorgungseffekte) registriert wurden. Der Nachweis einer medizinischen Evidenz ist nicht vorgeschrieben, genauso wenig wie die Einbeziehung der künftigen Nutzer in die Entwicklung.

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Presseecho

- Mehr Patienten-Daten bedeuten nicht unbedingt mehr Wissen
Bei der Tagung "Medizin und Gewissen" wurde der Digitale Fortschritt kritisch gesehen.
Nürnberger Nachrichten, 23.10.2019
- Nürnberger Ärztekongress warnt:
Medizin-Apps und Video-Doc: Gesunde Skepsis ist angebracht
Nürnberger Zeitung 19.10.2019
- Patientendaten sind allzu leichte Beute
IT-Sicherheitsexperte kritisiert unüberlegte Digitalisierung im Gesundheitswesen
Nürnberger Zeitung, 18.10.2019
- Spahn, die Digitalisierung und das Stockholm-Syndrom
Wissenschaft.de, 20.10.2019