N2 | Solidarisches Gesundheitswesen - heute und morgen

mit Dr. Nadja Rakowitz

Das Gesundheitswesen in Deutschland und hier besonders der Krankenhaussektor wurde seit Mitte der 80er Jahre zu einem Markt umgebaut. Mit der Einführung der Fallpauschalen hat diese Entwicklung einen vorläufigen Höhepunkt erreicht: Auch nicht profitorientierte Krankenhäuser müssen sich in diesem System verhalten wie kapitalistische Unternehmen. Alle Abläufe werden den ökonomischen Prioritäten untergeordnet, also auf Profit oder die „schwarze Null“ getrimmt. Die Auswirkungen auf Beschäftigte und Patient*innen sind verheerend. In der Corona-Krise wurde dies offensichtlich: Es zeigte sich, dass es in Deutschland viele technisch hoch gerüstete Krankenhäuser mit relativ vielen Intensivbetten gibt, aber viel zu wenig Personal für die Patient*innen. Weder gab es Geld für vorgehaltene leere Betten, noch wusste irgendjemand, wie viele Intensivbetten man genau hatte oder gar, wie viele gerade belegt wurden. Für diese Probleme mussten in der Corona-Pandemie schnelle vorläufige Lösungen gefunden werden, die die Probleme aber nicht beseitigt haben.
Die Beschäftigten in den Krankenhäusern wehren sich gegen diese Zustände spätestens seit 2015. Aber auch während Corona Pandemie gab und gibt es viele Proteste und Streiks für Entlastung und mehr Personal. Das Motto war: Wir sind im falschen System relevant. Die Normalität ist die Katastrophe. Mit der Reaktion der Bundesregierung auf den Krieg in der Ukraine, für die Bundeswehr 100 Mrd. Euro mehr auszugeben und von nun an 2% des BIP für die „Verteidigung“ auszugeben, werden die Verteilungskämpfe im Sozialstaat zunehmen.
Welche Lösungen gibt es für diese Probleme? Was schlagen die Beschäftigten vor? Was muss sich Grundlegendes ändern, damit das Gesundheitswesen zuallererst für die Bedarfe der Patient*innen da ist? Hier zeigen sich ganz grundsätzliche Fragen kapitalistischer Vergesellschaftung, die wir in dem Workshop diskutieren wollen.

 

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Medizin und Gewissen

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