Parallelveranstaltungen

Sa. 11:00 Uhr | V1-V8

V1 | Diskussionsforum: Triage – von der Not, entscheiden zu müssen

mit Annett Löwe und Prof. Dr. Thomas Bein

 

V2 | The Nuremberg Code

mit Prof. George J. Annas und Prof. Andreas Frewer

In diesem Forum werden die Plenarvorträge von Prof. George J. Annas und Prof. Andreas Frewer diskutiert und vertieft.

 

V3 | Koloniale und postkoloniale Muster in der Medizin

mit Prof. Michael Lichtwarck-Aschoff

Nicht zufällig entsteht die Bakteriologie Robert Kochs als Leitwissenschaft naturwissenschaftlicher Medizin in der Glanzzeit des kaiserdeutschen Kampfs um „einen Platz an der Sonne“ und um deutsche Kolonien. Methodisch trennt sie zunächst Mikroskop und Klinik, den Kranken von seiner Krankheit, macht dann den „gesunden Bakterienträger“ zum Dreh- und Angelpunkt seuchenmedizinischer Maßnahmen und „beweist“ am Ende ihre schauerliche Schlagkraft in den Kolonien. Sie liefert dem Kolonialismus biologistische und „zivilisatorische“ Begründungen. Im Gesundheitswesen der (ehemaligen) Kolonien hinterlässt sie verbrannte Erde, während die kolonialen Denkmuster die Medizin in den Metropolen teilweise bis heute prägen, deformieren und hemmen.

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V4 | Deutsche Ärztekommission: Alice von Platen-Hallermund und Alexander Mitscherlich

mit Prof. Paul Weindling und Dr. Helmut Sörgel

In diesem Workshop geht es um zwei Mitglieder der Deutschen Ärztekommission.Diese war 1946 von den westdeutschen Ärztekammern für den Nürnberger Ärzteprozess eingerichtet worden, um diesen zu beobachten, dokumentieren sowie Publikationen dazu herauszugeben.

Beitrag von Prof. Paul Weindling: Die gestaltende Rolle von Alexander Mitscherlich bei der Deutschen Ärztekommission | Beitrag von Dr. Helmut Sörgel: Alice von Platen-Hallermund. Ihre Tätigkeit in der Deutschen Ärztekommission, ihre Konflikte mit Alexander Mitscherlich, ihr herausragender Verdienst um die frühe Aufdeckung der Euthanasieverbrechen.
Danach Diskussion, wobei auch die spannungsreiche Beziehung zwischen den beiden Kommissionsmitgliedern Mitscherlich und von Platen-Hallermund näher beleuchtet werden kann.

 

V5 | Planetary Health - vom Wissen zum Handeln

mit Dorothea Baltruks und Dr. Thomas Lob-Corzilius

Titel des Eingangsvortrags: Die Klimakrise und ihre Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Anschließend Diskussion.

 

V6 | Diskussionsforum: Gesundheit für alle – statt ausgrenzender Health-Security

mit Thomas Gebauer

 

V7 | Diskussionsforum: Hippokrates for Sale

mit Dr. Bernd Hontschik

 

V8 | Diskussionsforum: Sicherheit neu denken

mit Jacqueline Andres und Dr. Angelika Claußen

 

Sa. 14:00 Uhr | N1-N7

N1 | Preventing Torture in Practice: Understanding the United Nations' new "Istanbul Protocol" (auf Englisch)

 mit Prof. Sondra S. Crosby

 

N2 | Solidarisches Gesundheitswesen - heute und morgen

mit Dr. Nadja Rakowitz

Das Gesundheitswesen in Deutschland und hier besonders der Krankenhaussektor wurde seit Mitte der 80er Jahre zu einem Markt umgebaut. Mit der Einführung der Fallpauschalen hat diese Entwicklung einen vorläufigen Höhepunkt erreicht: Auch nicht profitorientierte Krankenhäuser müssen sich in diesem System verhalten wie kapitalistische Unternehmen. Alle Abläufe werden den ökonomischen Prioritäten untergeordnet, also auf Profit oder die „schwarze Null“ getrimmt. Die Auswirkungen auf Beschäftigte und Patient*innen sind verheerend. In der Corona-Krise wurde dies offensichtlich: Es zeigte sich, dass es in Deutschland viele technisch hoch gerüstete Krankenhäuser mit relativ vielen Intensivbetten gibt, aber viel zu wenig Personal für die Patienten. Weder gab es Geld für vorgehaltene leere Betten, noch wusste irgendjemand, wie viele Intensivbetten man genau hatte oder gar, wie viele gerade belegt wurden.

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N3 | Rassismus im Gesundheitswesen

mit Dr. Ernst Girth, Prof. Ilhan lkilic, Dr. Amma Yeboah

Beitrag von Prof. Ilhan Ilkilic: Rassismus und Klinische Ethik im Krankenhaus
In alltäglichen interkulturellen Behandlungssituationen kommen immer wieder rassistische Äußerungen und Verhaltensweisen der Gesundheitsberufe im Krankenhaus vor. Diese nicht akzeptablen Fehlverhalten sind nicht nur mit der Verletzung und Benachteiligung der Betroffenen verbunden, sondern sie stellen auch für die anderen Mitarbeiter*innen im Behandlungsteam eine Herausforderung – vor allem bei ethisch komplexen Fällen – dar. Im Beitrag werden die klinisch-ethische Bedeutung des Rassismus in der Gesundheitsversorgung problematisiert und anhand der Fallbeispiele konkretisiert. Eine interaktive ethische Diskussion mit Teilnehmer*innen schließt sich an.

Beitrag von Dr. Amma Yeboah: Rassismuskritische Perspektiven in der Psychiatrie & Psychotherapie
Belege für Dominanz und Ausgrenzung lassen sich heute am ehesten durch die Analyse der Strukturen, Institutionen, Ideologien und Geschichte unserer Gesellschaft finden. Gewaltvolles Handeln im Sinne von Rassismus sowie Diskriminierungspraktiken im Alltag lassen sich in der psychiatrisch psychotherapeutischen Versorgung feststellen, und sind u.a. wichtige Determinanten der Gesundheitslage. Bei diesem Beitrag werden notwendige Kompetenzen für die professionelle Begleitung von Menschen fokussiert, die als "Andere" oder „Minderheiten“ markiert und definiert werden. Anschließend wird die Bedeutung der Auseinandersetzung mit struktureller Gewalt im Rahmen der medizinischen Lehre als Instrument zur Förderung der Gesundheitskompetenz erörtert.

 

N4 | Pandemien: Pest, Cholera, Spanische Grippe …

mit Prof. Fritz Dross und Prof. Karl-Heinz Leven

Beitrag von Prof. Fritz Dross:
Anwesenheit unter Ansteckenden. Seuchenerfahrungen der Frühmoderne
Der "Schwarze Tod" in der Mitte des 14. Jahrhunderts gilt als europäische Urerfahrung mit massenhaft tödlichen Seuchen. Dabei wird gerne unterschlagen, dass der massenhafte Tod durch übertragbare Erkrankungen bis zur großen Pest in Moskau im Jahr 1771 über 400 Jahre regelmäßiger Gast in den europäischen Städten blieb. Abgesehen davon, dass massenhaftes Sterben - etwa in Hungerkrisen - ein bekanntes Phänomen war, stellen die europäischen Gesellschaften einen gemeinsamen Erfahrungsraum von Überlebenden großer Seuchen dar.

Beitrag von Prof. Karl-Heinz Leven:
„Die Welt ist an den Massentod gewöhnt …“  Die Grippe-Pandemie 1918
Möglicherweise 50 Millionen Menschen sind der Grippepandemie 1918-1920 zum Opfer gefallen. Hinsichtlich der Menschenverluste handelte es sich um einen der schwersten Seuchenausbrüche der Geschichte überhaupt. Dennoch ist die „Spanische Grippe“ im kulturellen Gedächtnis kaum präsent. Der Vortrag macht sich auf die Suche nach einer vermeintlich „vergessenen Seuche“ und ordnet deren Verlauf und Folgen in den (medizin-) historischen Kontext am Ende des Ersten Weltkriegs ein.

 

N5 | Chronik eines globalen Versagens: Ungleichheit und solidarische Politik in der Pandemie

 mit Anne Jung

Mal ehrlich: Niemand hat mehr Interesse, über Covid-19 zu sprechen. Es lohnt jedoch, über Interessen zu sprechen, die einen verantwortungsvollen und solidarischen Umgang mit der Pandemie verhindert haben. Warum Europas Regierungen die globale Kooperation zur Überwindung der Gesundheitskrise untergraben und wie die Pharmaindustrie mit einer Strategie künstlicher Verknappung die gerechte Verteilung von Impfstoffen verhindert hat.
Die Pandemie wirkt bis heute wie ein Brandbeschleuniger, der bestehende Krisen und globale Ungleichheiten weiter verschärft. Die Industrienationen halten an einer neoliberalen Politik fest, die das Recht auf Gewinn für Unternehmen gegen die Menschenrechte absichert. Die Nebenwirkungen sind tödlich und werden auch die wirtschaftliche, geographische und soziale Ungleichheit dramatisch vergrößern. Eine Rückschau auf die Chronik des globalen Versagens verweist auf die Zukunft. Wie muss eine globale Gesundheitspolitik beschaffen sein, die ihren Namen verdient und Gesundheit als Menschenrecht begreift?

 

N6 | Ausgegrenzt und eingesperrt: Medizin für Heimatlose

mit Prof. Dr. Gerhard Trabert

 

N7 | Fragwürdige Ethik moderner Kriegsführung

mit Marius Pletsch und Ralph Urban

Autonome Waffensysteme (AWS) gelten – nach Schießpulver und Atomwaffen – als „dritte Revolution in der Kriegsführung“. Wo liegen die Risiken der Künstlichen Intelligenz im militärischen Bereich? In dem Workshop wird am Beispiel von Drohnen und anderer Waffensystemen die Entwicklung von der Automatisierung zum autonom tötenden Waffensystem dargestellt. Sind AWS eine moralische Grenzüberschreitung? Viele ethische Fragen stellen sich. Während die seit 2014 in Genf laufenden Gespräche über ein mögliches Verbot von AWS keinen erkennbaren Fortschritt zeigen, zeichnet sich ein Rüstungswettlauf in diesem Bereich ab. Sowohl die NGO „Campaign to Stop Killer Robots“ als auch eine Gruppe von lateinamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Ländern suchen nach einem effektiveren Forum. Nach der Einführung in das Thema werden offene Fragen und Handlungsmöglichkeiten diskutiert.

 

Hinweis: Die Beschreibungen werden fortlaufend aktualisiert.

Medizin und Gewissen

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