Vorträge

Warum ein Ärzteprozess in Nürnberg 1946? Seine Bedeutung für die Opfer damals und in der Gegenwart

Vortrag | Fr. 16:45 Uhr | Prof. Paul Weindling

Es gibt gravierende Probleme in der deutschen historischen Aufarbeitung für die Opfer. Diese sollen Thema des Vortrags sein.
 

Inhuman Experimentation: The Nuremberg Code through the lens of Barbarism, Professional Power, Profit, and Apocalypse

Vortrag | Fr. 17:30 Uhr | Prof. George J. Annas

The Nuremberg Code is widely recognized as the most authoritative code of human experimentation in the world. Nonetheless, the world of human experimentation has evolved rapidly and radically over the past 75 years. What can the code and commentary on it teach us about (1) rationalizing the barbaric and genocidal experiments of the Nazi physicians and their 9/11 followers; (2) continuing deference to physician power and paternalism; (3) commercialization and globalization of pharmaceutical research on humans; and (4) experimentation that could risk the future of the human species, such as gain of function, climate change, and gene editing (these experiments on the species itself-rather than on individual members of the species, can be thought of as “type 2 crimes against humanity”).

 

Gesundheit innerhalb planetarer Grenzen

Vortrag | Fr. 19:45 Uhr | Dorothea Baltruks

„Wäre die Erde eine Patientin, so läge sie im kritischen Zustand mit Multiorganversagen auf der Intensivstation“, erklärten klimabewegte Gesundheitsberufler*innen, die bei Health for Future bzw. der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit aktiv sind beim Globalen Klimastreik am 23.09. Das Bild der Erde als Intensivpatientin, die nicht nur an der menschengemachten Klimakrise, sondern an den vielen komplexen Folgen unseres destruktiven Umgangs mit ihr – man denke an den Verlust der Biodiversität oder die Verschmutzung von Gewässern und Böden – leidet, erinnert uns daran, wie wir im Gesundheitssystem handeln würden: sofortige Notfallmaßnahmen zur Stabilisierung der Patientin, gründliche Diagnostik und Therapie.

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Abrüsten für Gesundheit und Klimaschutz

Vortrag | Fr. 20:30 Uhr | Dr. Angelika Claußen

Sicherheit und Frieden neu denken – innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten und auf der Grundlage von Klimagerechtigkeit – das ist die Herausforderung für die Friedensbewegung und Klimabewegung und ebenso für die führenden Großmächte. In der Debatte zur Bewältigung der Klimakrise wurde der Beitrag des Militärs und der Rüstungsindustrie am globalen CO2-Fußabdruck bisher weitgehend ausgeklammert. Obwohl der Anfang April veröffentlichte IPCC -Bericht einen „systemischen Wandel“ fordert, finden sich zum Schlagwort „Military“ insgesamt nur sechs Ergebnisse in dem knapp 3.000 Seiten langen Report.

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Gesundheit ist ein Menschenrecht

Vortrag | Sa. 9:30 | Prof. Gerhard Trabert

Die drastische Auswirkung von Armut auf die Gesundheit und die Entstehung wie auch den Verlauf von Krankheiten ist immer noch ein sozial- und gesundheitspolitisch unterschätztes und vernachlässigtes Thema. Dabei belegen viele wissenschaftliche Untersuchungen, wie ein niedriger sozioökonomischer Status mit einer höheren Morbidität und Mortalität korreliert. In Deutschland besteht so zwischen dem reichsten und dem ärmsten Viertel der Bevölkerung ein Unterschied in der Lebenserwartung von elf Jahren bei Männern und von acht Jahren bei Frauen. Darüber hinaus führt eine chronische Erkrankung auch in Deutschland zunehmend häufiger zu materieller Armut, die oft tabuisiert und schambesetzt ist. Wird doch in der gesellschaftspolitischen Diskussion Armut nicht selten als individuelles Versagen oder gar als persönliche Entscheidung diffamiert.

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Global Health zu und nach Zeiten der Pandemie

Vortrag | Sa. 10:00 Uhr | Thomas Gebauer

Epidemien fallen nicht vom Himmel, sondern werden gesellschaftlich produziert. Das ist die Lehre, die aus der globalen Gesundheitskrise der letzten Jahrzehnte zu ziehen ist. Die wachsende Bedrohung durch Zoonosen wie die Vogelgrippe, Ebola oder Corona steht im Zusammenhang der globalen Entfesselung des Kapitalismus. Bleibt es bei der Zerstörung ländlicher Produktions- und Lebensverhältnisse, wird die Krise anhalten und nach der Pandemie immer nur vor der Pandemie sein - mit der fatalen Konsequenz, dass der Ausnahmezustand einer die Freiheit einschränkenden Seuchenkontrolle zum Dauerzustand werden könnte. Es geht aber auch anders!

 

Hippokrates for Sale – Kommerzialisierung der Medizin

Vortrag | Sa. 10:30 Uhr | Dr. Bernd Hontschik

Es tut sich was in unserem Gesundheitswesen, schon lange, in kleinen, unmerklichen Schritten und in immer die gleiche, beunruhigende Richtung: Es ist die Verwandlung des Gesundheitswesens mitsamt der Humanmedizin in einen profitorientierten Industriezweig. Die neuen Ziele werden nicht innerhalb der Medizin erarbeitet, sondern in großen Konzernen geplant und von willigen Politikern jeglicher Couleur in die Tat umgesetzt. In das Gesundheitswesen hat unsere Gesellschaft bislang einen Teil ihres Reichtums investiert, zum Wohle aller. Nun wird das Gesundheitswesen zur Quelle neuen Reichtums für Investoren. Die Medizin wird zu einer Ware, nur noch als Quelle von Profit interessant. Krankenhäuser werden aus öffentlichem Besitz an private Klinikkonzerne verschleudert. Der Digitalisierung wird das Individuum „Patient“ geopfert.

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Wissenschaftliche Retrospektive zur Pandemie – Was war evidenzbasiert?

Vortrag | Sa. 16:30 Uhr | Prof. Gerd Antes

Über zweieinhalb Jahre hat uns die Pandemie in Aufregung gehalten. Während die Infektionen und deren Verhinderung durch sogenannte nichtmedikamentöse Interventionen (NPI) Diskussionen und Schlagzeilen beherrschen, bekommen die dadurch angerichteten Kollateralschäden in einer extrem asymmetrischen Diskussion keine entsprechende Aufmerksamkeit. Das ist gleichbedeutend mit der Missachtung des Fundaments der Evidenzbasierten Gesundheitsversorgung, der Abwägung von Nutzen – Schaden – Kosten. Die fehlende wissenschaftliche Evidenz für Entscheidungen in Politik und anderen gesellschaftlichen Entscheidungsstrukturen ist einer der großen Kollateralschäden der Pandemie.
 

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Zwangsarbeit – Humanexperimente – „Euthanasie“: Erinnerungskultur und Ethik nach dem Ärzteprozess?

Vortrag | Sa. 17:15 Uhr | Prof. Andreas Frewer

Als vor 75 Jahren im Schwurgerichtssaal 600 (heute „Memorium“) der erste Prozess der zwölf Nachfolgeverfahren gegen 23 Personen im Kontext der Verbrechen im Gesundheitswesen zu Ende ging, waren trotz der kurzen Vorbereitungszeit ungeheuerliche Formen einer „Medizin ohne Menschlichkeit“ offengelegt worden. Häufig standen die brutalen NS-Humanexperimente an KZ-Gefangenen im Fokus, die sogenannte NS-„Euthanasie“ war im Detail noch wenig erforscht, das Gebiet Zwangsarbeit in Bezug auf die Medizin kaum bearbeitet. In welcher Weise hat sich in den letzten Jahrzehnten eine „Erinnerungskultur“ als Quintessenz von Medizingeschichte und Ethik entwickelt? Was heißt dies für die Praxis?

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State-Sanctioned Torture Doctors: From Nuremberg to Guantanamo

Vortrag | So. 9:00 Uhr | Prof. Dr. Sondra S. Crosby

At least since World War ll doctors have played central roles in torturing enemies of the state. The Doctors Trial at Nuremberg had as one of its most important goals to discover how it was possible for distinguished Nazi physicians to enthusiastically engage in wholesale murder and torture under the guise of “human experimentation.” Today we must also ask: How did it happen that after 9/11, health professionals, including doctors, nurses, psychologists, and physician assistants acted as agents of the United States and its allies to utilize their medical and healing skills to cause harm and sanitize barbarous acts, similar to (though not on the scale of) how Nazi doctors were used by the Third Reich?

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Ethische Aspekte des Rassismus in der Gesundheitsversorgung

Vortrag | So. 9:45 Uhr | Prof. Dr. Dr. Ilhan Ilkilic

Auch wenn Rassismus in den Codices von Gesundheitsberufen eine einheitlich abgelehnte Ideologie und Haltung ist, so kommen rassistische Äußerungen und/oder Verhaltensweisen in der alltäglichen Gesundheitsversorgung nicht selten vor. Eine rassistische Haltung in der Gesundheitsversorgung ist nicht nur eine nicht hinnehmbare Menschenrechtsverletzung, sondern auch eine Verletzung und Benachteiligung einer vulnerablen Gruppe, nämlich kranken Menschen. Im Vortrag werden diese Dimensionen aus der ethischen Perspektive beleuchtet und reflektiert.

 

Medizin als ökologischer Risikofaktor

Vortrag | So. 11:30 Uhr | Dr. Christian Schulz

Die Gesundheit der Menschen ist abhängig von der Gesundheit der Ökosysteme. Mit der fortschreitenden Überschreitung planetarer Belastungsgrenzen steigt auch die Krankheitslast. Der Gesundheitssektor selbst verursacht fünf Prozent der Treibhausgasemissionen und ist mit einem hohen Ressourcenverbrauch vergesellschaftet. Damit Gesundheitsversorgung also nebenwirkungsarm geleistet werden kann, muss sie klimaneutral und ressourcenschonend werden. Damit ambitioniert die entscheidenden Schritte in diese Richtung gegangen werden können, brauchen wir eine Vision, wie das Gesundheitssystem in 20 oder 30 Jahren aussehen soll.

 

Medizin und Gewissen

Medizin und Gewissen